Der Kameramörder

2008 August 31

NEU! NEU! NEU! NEU! NEU! NEU! NEU! NEU!

So, wer schon jetzt genug hat von dem ganzen Mist, den ich hier so schreibe (was ich natürlich ironisch meine), dem sei gesagt: Man kann auch mal Besseres lesen (was ich ganz unbescheiden einräume). Starte hier und heute eine neue Rubrik: Buchbesprechungen. Schmöker, Reißer, Kracher, die mir mehr oder minder gefallen haben. Die Besprechungen werden vermutlich in loser Folge hier erscheinen, aber ein Anfang sollte mal gemacht sein.

Folge 1: Ein kleiner Schmöker, gut für einen atemlosen Lesenachmittag.

Sätze in Stakkato sind super. Die halten dich fest. Sie werfen dich voran. Treiben die Geschichte. Man kann kaum mehr aufhören. Muss lesen. Lesen. Lesen. Wissen wie’s weitergeht. Wie die Story zu Ende geht. Bis zur letzten Seite. Bis der Täter endlich gefasst ist.

Thomas Glavinic ist ein Meister des Stakkato. Er ist ein Meister des Atemlosen. Zumindest mit seinem „Kameramörder“ hat der junge Österreicher das eindrücklich bewiesen. Die Geschichte ist das Protokoll eines Osterwochenendes auf dem Land.

Zwei junge Paare verbringen die Frühlingsfeiertage miteinander auf einem recht einsamen Bauernhof in der Steiermark. Klingt nach langweiliger Idylle. Doch die wird jäh durchbrochen, als . Ganz in der Nähe wird ein grausiger Mord begangen. Ein Mann misshandelt zwei Kinder und zwingt sie anschließend auf einen Baum zu klettern und in den Tod zu springen. Festgehalten wird das ganze Drama per Videokamera. Und als ein TV-Privatsender das Band in die Finger bekommt, dauert s auch nicht lange, bis die Schreckensbilder über den Bildschirm flimmern. Die jungen Paare verfolgen die eiskalt inszenierte Berichterstattung – fasziniert und angewidert zugleich.

Akribisch hält Glavinics Ich-Erzähler fest, wie sich die grauenhaften Neuigkeiten aus der Nachbarschaft in den Alltag der Paare einschleichen. Bald drehen sich die Gespräch nur um ein Thema. Die Freizeitgestaltung richtet sich nach den Sendezeiten der Nachrichtenmagazine. Immer enger ziehen sich die Kreise: die über das Fernsehen verfolgten Fahndung einerseites und die Hilflosigkeit der vier Akteure andererseits, sich gegen eine von den Medien produzierte Wirklichkeit zur Wehr zu setzen. Mehr als Voyorismus, mehr als Medienkritik.

Glavinic konstruiert geschickt diese beiden Ebenen und verstrickt sie durch seinen Stil (keine Kapitel, keine Absätze – aber immerhin Satzzeichen) so faszinierend miteinander, dass man sich selbst immer stärker hineingezogen fühlt. Nicht aufhören kann zu lesen. Spürt, wie sich der Spannungsbogen immer stärker aufbaut – bis zu einem grandiosen Ende. Einer Auflösung im letzten Satz. Schnörkellos. Genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Punkt gebracht. So funktioniert Krimi.

Info: Thomas Glavinic: Der Kameramörder. dtv. 156 Seiten. 7,90 Euro.

Link-Befehl: Thomas Glavinics aktuelle Homepage mit sehr empfehlenswertem PodCast zu Glavinics aktuellstem Buch „Das bin doch ich“.

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