Kotzen können
Kinder kotzen gerne unangekündigt (*). Das macht ja ihren Charme erst aus und den Lehrerberuf so wichtig. Erst in der Schule lernen die Kleinen, sich rechtzeitig zu artikulieren. Also bevor es zu spät und der Teppichboden in der Kuschel-Lese-Ecke nach Galle und halbgegorenem Frühstück stinkt. Bildungsauftrag also mal ganz handfest. Sozialveträgliches Kotzen-können will gerlernt sein. Von Bildungspolitikern wird dies meist sträflich unterschätzt.
Variante 1: Öffentliches Kotzen, Klasse 1 und 2
Klein Jakob zupft Lehrerin am Ärmel: Mür is’ so schlöcht!
Lehrerin: Wie schlimm ist es denn?
Jakob (macht bereits dicke Backen): Wohhha, wohhha. [Schüttet seinen Frühstückskübel über Lehrerschreibtisch oder Ledertasche der Lehrerin aus.] Für alle, die sich’s nur schwer vorstellen können eine lautmalerische Anmerkung: Bei Brösel würden Fischgräte und Würfel mit rausfallen.
Variante 2: Erste Verheimlichungen, Klasse 3 und 4
Der nicht mehr ganz so kleine Jakob hat über mehrere offensive Kotzattacken gelernt, dass es sozial nicht anerkannt ist, Hefte oder Taschen von Lehrerin oder Tischnachbar mit ehemaligem Frühstück zu beschmutzen. Auch nicht aus Versehen. Ist ihm schlecht, verzieht sich der nicht mehr ganz so kleine Jakob nun die etwas abgeschiedene Lese-und-Kuschelecke hinten links im Klassenraum. Die Ecke ist mit Regalen von übrigen Saal abgetrennt und mit Teppich und Kissen ausgelegt. In dieser wohligen Abgeschiedenheit befreit sich Jakob. Die Lehrerin nimmt das Gewürge vermutlich erst wahr, weil ein anderes Kind gerannt kommt: „Ihhhh, der Jakob hat in die Ecke gekotzt.“ Oder weil sich dieser gallig-gegorene Geruch im Klassenzimmer ausbreitet. jakob jedenfalls wird im Laufe des Resttages von seinen Klassenkammeraden ausgegrenzt. Und die kuscheligen Kissen und Stofftiere in der Leseecke bekommen im Laufe des Schuljahres immer mehr Flecken und einen Mief, der unangenehme Erinnerungen wachruft.
Variante 3: Kotzen nur unter Freunden, weiterführende Schule
Ab Klasse 6 erfährt der junge Jakob die soziale Funktion von Übelkeit für sich. Wer Mitten im Unterricht andeutet ihm sei nicht wohl, muss schnellstmöglich auf Toilette (denn die Leseecke gibt’s in weiterführenden Schulen ja nicht mehr). So lässt sich durch Vortäuschung falscher Tatsachen konfortabel Unterricht schwänzen. Wenige Monate später verabreden sich die Kumpels aus verschiedenen Klassen (man kennt sich von Fußball) für „20 Minuten nach Unterrichtsbeginn“ zum gemeinschaftlichen Kotzen auf der Jungs-Toilette oder in der Raucherecke. (Wo sie in gut organisierten Schulen aber meist vom Hausmeister enddeckt und zurück in die Klassen getrieben werden.)
(*) Kurzes Protokoll eines Abends unter Lehrern – mit literarischen Ausschmückungen und psychologisierenden Erweiterungen, für die natürlich nur der Autor pseudo-wisscehnschaftliche Verantwortung trägt.
Seltsam. Als ich klein war hat in meiner Grundschulklasse so gut wie nie einer gekotzt. Da hatten ein paar ziemlich oft Nasenbluten. Und wenn haben die paar Jungs (die Mädchen haben sich nie öffentlich übergeben) schön auf den Boden gereihert, aber über Tische oder auf den Ranzen der Mitschüler oder gar Lehrer kotzende Mitschüler habe ich von der 1. bis zur 13. Klasse nie gesehen. Aber am Ende habe ich das nur ausgeblendet …
Wuahhhhhh ich bin fast von der Couch gefallen vor Lachen. Zum kreischen ehrlich…..
Aber bei uns in der Grundschule gab es nur Einnässer keine Brecher.
Dialogausschnitt:
„Ich muss mal.“
„Dringend?“
„Zu spät.“
lg