Die Söhne halten dagegen
So. Heute also die Söhne-Platte des „Wettsingen in Schwetzingen“. Nadioo erzählt, er habe, um diesen Sangeswettstreit zu gewinnen, die Schwächen der Söhne gnadenlos ausgenutzt. Meint er natürlich ironisch.
- Die singenden Söhne.
Denn wenn’s hier um Gewinne ging, dann doch eher um jene, die sich nach den Plattenverkäufen einstellen werden. Aber das nur als halb-kritische Anmerkung am Rande, in der die Vermutung zum Ausdruck kommt, dass sich auch diese Doppel-CD Naidoo/Söhne verkaufen wird wie warme Semmeln.
Babylon System: Was für ein Schrott als Opener. Passt hip-hop-artiger Gasang und rap zu karibisch anmutender Instrumentierung? Passt ein Text, in dem Naidoo das bestehende (kapitalistische) Ellenbogensystem niederreißen will dazu? Nein! Nein! Nein! Aber Hauptsache, die inneren Werte stimme.
Lieder drüber singen: Neuer Song der Söhne. Wenn ich wetten müsste, würde ich auf einen nächsten Hit tippen. Auch wenn mich der Rap wieder nervt, ich kann mir nicht helfen. Finde diese eingestreute „Yeahs“ und „that’s right“ klingen schlicht billig, überflüssig und, naja, pubertär.
Das hat die Welt noch nicht gesehen: Muss ich nix mehr drüber schreiben. Wer das bisher nicht im radio oder im Musik-TV gehört und gesehen hat, der hat den Schuss eh nicht gehört. Vielleicht nur soviel: Ich find’s grandios, dass jetzt Henning Wehland – ehemals Sänger der H-Bloxx – bei den Söhnen mitmischt. Eine echte Bereicherung (auch wenn er nicht aus mannheim kommt und da auch nicht wohnt).
Ich wollte wie Orpheus singen: Wie an anderer Stelle schon erwähnt, ist Bescheidenheit kein Attribut des Herrn Naidoo. (Auch wenn Leute, die ihn persönlich kennen da aufschreien und betonen werden, wie locker er drauf ist. Auf mich wirkt er nicht so.) Darum passt auch dieses Cover von Reinhard Mey: Felsen zum Weinen zu bringen, mit seinem Gesang.
Volle Kraft voraus: Grandios arrangiert. Mit einem kühlen, aber nicht unterkühlten, mit einem drängenden, aber nicht abdrängenden Klavierpart. Sehr reduziert auf das Wesentliche und trotzdem mit der richtigen Dramaturgie und mit einem vollen Finale. Für mich das Highlight des Konzerts.
Wenn du schläfst: Auch das toll. Mit einer flirrenden Mandolinen im Hintergrund, tollen Melodienläufen der Gitarre und warmem mehrstimmigem Gesang. Alles richtig gemacht.
Zurück zu dir: Seltsam. Höre den Song jetzt schon zum fünften, sechsten Ma. Und der geht gar nicht an mich. Passiert nix. Weder Begeisterunjg, noch Ablehnung. Blubbert so durch. Würde vermutlich niemand vermissen. Außer wahrscheinlich all jene Liebespaare, die darauf zum ersten Mal geknutscht haben und für die das DER Song ist. Naja.
Dein Leben: Wow. Wieder perlt der Flügel an der Melodie entlang. Und der Bass! Dum, dum, dum. Ha. Das goovt. Da stört mich zum ersten Mal auch der Rap nicht, weil er zum Groove passt und nicht draufgesetzt wirkt. Schön auch der Übergang zum Solo-Ende des Songs.
Vielleicht: Vielleicht was? Vielleicht hörn sie nicht hin und vielleicht fehlt ihnen der Sinn? Da sollte man als Zuhörer gerade bei diesem Song an sich arbeiten: Alles auf den Punkt. Wer sich vielleicht wundert und sich fragt, warum diesen Truppe aus Mannheim so erfolgreich ist, der findet genau hier die Antwort. Man muss eben nur genau hinhören. Dickes [Augenbrauen nach oben] für Kosho und Andreas Bayless an den Gitarren.
Geh davon aus: Grandioses Lied, aber ich kann’s nicht hören. Dieses gerappe! Warum amchen die das? Ahhh. Yeah, that’s right, that’s right. Aha. Aha. Come on. Grausam. Das bricht mir das Herz.
Was wird mich erwarten: Um Himmels Willen. Jetzt geht es mit ihnen durch. Salsa, Marengue, karibibisches Flair. Hör mir auf. Das ist doch Kabarett oder der neue Fastnachts-Hit.
Und wenn ein Lied: Versöhnung am Schluss. Danke Kosho dafür, würde bei dir gerne in die Lehre gehen.


