One More Cup Of Coffee

2008 Dezember 9

Kennt ihr dieses Phänomen? Kauft man sich ein neues grünes Auto, findet das ganz schick und sich selbst total crazy, sieht man spätestens am nächsten Tag nur noch grüne Autos in der Stadt. Oder: Kaum führt man die neue Lederjacke aus, haben alle anderen auch Lederjacken an. So ähnlich geht es mir gerade mit Bob Dylan.

Hab ja schon von dem Theaterstück erzählt. Seither läuft bei mir nur noch Dylan. Das ist insofern ungewöhnlich, als dass ich zwar einige Platten und CD’s des alten Herrn im Schank habe. Schließlich gehört Dylan irgendwie in jede gute Sammlung. Aber so richtig berührt hat mich der alte Nuschler nie. Schmach der späten Geburt? Vielleicht. Aber eigentlich fand ich immer: Der kann schlicht und einfach nicht singen.

Das ist jetzt immernoch so. Aber ich bin was älter und kann anscheinend besser als vor 10 Jahren die Qualität der Lieder erkennen. The Times They Are A-Changin’.  Seit Samstag höre ich also: Hurricane, One More Cup Of Coffee, Standing In The Doorway, I Want You und Just Like A Woman. Meine Liebste scheint es schon zu nerven. Ich neige, wenn ich „neue“ Musik für mich entdeckt habe, zu exzessivem Konsum. Tagelang läuft nix anderes – bis ich’s selbst nicht mehr hören mag. Diese Schwelle scheint mir aktuell noch nicht erreicht.

Und jetzt kommt der grüne Wagen und die Lederjacke. Plötzlich begenet mir Dylan – nicht an allen, aber an einigen Ecken. Beispielsweise hat heute Jakob Dylan Geburtstag. Zufall? Sicher. Aber sicher kein Zufall, dass es mir auffällt. Dessen Band „Wallflowers“ hat mir immer besser gefallen, als all das, was der alte Herr gemacht hat. Hauptsächlich: Weil Jakob singen kann.

Und in dem neuen Roman, den ich am Wochenende angefangen habe, eröffnet Dylan jedes Kapitel. Track 1. „Things have changed“ Der erste Song: Über einen litauischen Wunderschüler, eine Liebesnacht, die keine ist, und über die erste Schießerei. Benedict Wells schreibt da. Sein Buch „Becks letzter Sommer“ wird momentan überall gehyped. Und ich muss sagen: Zu recht.

wells-kopie

Benedikt Wells: "Becks letzter Sommer". Diogenes. 450 Seiten. 19.90 Euro.

Beck ist ein ausgebrannter Lehrer, der mit seiner kellnernden Freundin, einen vermutlich drogensüchtigen Kumpel und eben einem litauischen Gitarrengott auf Tour geht: von München durch Osteuropa nach Istanbul. Ein Roadmovie dem Dylan-Songs den Rhythmus geben. Erstaunlich ist daran vor allem, dass Autor Wells gerade mal 24 ist – und mit seinem Debüt gleich bei Diogenes landen konnte. Und da der Schweizer Verlag nun nicht gerade im Verdacht steht, Pänäler-Pop-Literatur á la Benjamin von Stuckrad-Barre, Christian Kracht oder Alexa Hennig von Lange zu veröffentlichen, schreibt Wells auch erholsam selten gewollt cool. Witzig, ja, und mit schönen Pointen. Aber nicht auf besonders jugendlich gebucht. Oder vielleicht wiederum mit Dylan gesagt: But I was so much older then, I’m younger than that now.“

  1. 2008 Dezember 9

    Ihr habt Euch ein grünes Auto gekauft? Wann? Was für eins? Und mit Lederjacke haben ich Dich auch noch nicht gesehen…

  2. 2008 Dezember 9

    Sind doch nur Beispiele, mööönsch.

Eine Antwort schreiben

Note: You can use basic XHTML in your comments. Your email address will never be published.

Diesen Kommentar-Feed via RSS abonnieren.