Ausrangiert

Kindheitstraum oder Kindheitstrauma? Foto: pixelio.de
Also okay, der Traum der Kindheit ist pleite. Nein, man muss sagen: der vermeintliche Traum. Mich wundert’s echt nicht, dass Märklin Insolvenz anmelden muss. Dieses fachchinesische Geseier, das SpOn da von sich gibt, das verstehe ich zwar nicht. Und der Klaus Alrutz sieht zwar aus wie ein Bilderbuch-Modelleisenbahner, hilft mit seinem nachrichtlichen Beitrag aber auch nicht viel weiter
. Dafür sach ich euch jetzt, warum der Modelleinsenbahner ausrangiert wird: Unsre Väter sind schuld. So einach ist das.
Oder war es nicht so, dass früher
1. die Märklin immer nur zu Weihnachten rausgeholt wurde? Außer
1.b. bei jenen Freaks, die ein extra Eisenbahnzimmer hatten, wo das Ding 365 Tage im Jahr vor sich hin verstaubte? Und dass
2. die Märklin nur angeschafft wurde – so der alte Witz – weil der Papa gerne damit spielt. Das führt aber dazu, dass
3. Sohnemann (ohne sexitisch sein zu wollen, aber ich kenne kein Mädel, das sich früher für Modelleisenbahn interessiert hätte) – dass also Sohnemann brutal zur Seite gedrückt wurde, da er sonst
3.a. womöglich an der teuren Modelleisenbahn was kaputt machen hätte können und
3.b. natürlich Vattern an den Trafo wollte.
So. Und jetzt denkt mal bitte 25 bis 30 Jahre weiter. Also in die Jetztzeit. Rund um das Thema Märklin hat sich doch da so ein Frust aufgestaut, dass man heute partout um jede Modelleisenbahn einen weiten Bogen macht – eben damit keine Narben in der Seele wieder aufgerissen werden. Und seinen eigenen Kindern? Denen kauft Mann heute natürlich genau aus dem Grund keine Modelleisenbahn mehr: Mein Kind soll’s mal besser haben als ich! Das erspar ich ihm.
Von wegen. Gerade deshalb sollten Väter ihren Kindern eine kaufen. Damit sie endlich mal selbst an den Trafo dürfen. Und das Ding ist heuer auch noch digital… Boah. Ich war einst übrigens eher der Lego-Eisenbahn-Typ. Pädagogisch wertvoll, weil musste man selber zusammenbauen…
Fahren die kids von heute nicht die Eisenbahn bereits in der virtuellen Welt? Mein junior hat eine Holzeisenbahn und die wird immer noch „geschoben“. Fördert auch noch die Motorik. Hinzu kommt, dass das Schienennetz auch noch selbst aufgebaut werden muss, was wiederum logisches Denken erfordert; nicht dass die Bahn plötzlich „in der Pampa“ endet.